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Die Muhre

  Geschichte   Die Gewässer
Havel

 Die Muhre, heute auch Muhrgraben, Moorgraben, in alten Zeiten Massow oder Malsow genannt, hatte einst viel größere Bedeutung als heute. Für einige Jahrzehnte bildete sie sogar ein Stück der Ostgrenze des Deutschen Reiches. Bis in die 50er Jahre verlief an ihr die Grenze der Kreise Osthavelland und Niederbarnim.

Dreetzsee
Teschend. Gr.
Ruppiner Kanal
Der Name Muhre (1595 Moder, 1709 Muhr) ist evtl. deutschen Ursprungs (mhd. moder = Moor, Sumpfland). Eine Herkunft vom slawischen "mokry" (=feucht, naß) ist nicht auszuschließen (vgl. Mukran auf Rügen), aber wegen der späten Erstnennung eher unwahrscheinlich. Massow (eher Malsow) sind slawische Wörter (evtl. von malz = Muschel oder malice = kleines Dorf). Es kann sein, daß es zur Zeit der deutschen Besiedlung einen Ort Massow gab, für den das spätere Germendorf in Frage kommen könnte. Wahrscheinlicher ist aber eine Verwechslung von Malsow und dem Ort Dossow. Eine Hypothese führt den Namen vom Wald (und heutigem Ort) Malz her. Die Malsow wäre demnach der Fluß, der aus dem Wald Malz kommt (vergleiche Briese!)

Es ist heute nicht leicht festzustellen, wo genau eigentlich die Muhre verlief, wo sie entsprang und wo sie mündete. Den Oberlauf der Muhre bildete früher der heutige Teschendorfer Graben und der östlich davon ursprünglich aus der Schorfheide kommende Fließgraben. Der Bau von Entwässerungs- und Flößergräben im östlichen Rhinlauf im 17. Jahrhundert veränderte die Fließverhältnisse. 1711 wurde mit der Gründung der Kolonie Hohenbruch der Graben zum Schweizergraben ausgebaut, der das Wasser von Rhin und Teschendorfer Graben in die Havel bei Oranienburg ableitete. Als 1788 der Ruppiner Kanal gebaut wurde, wurde dieser Zufluß ganz abgetrennt. Von nun an stand nur noch Sickerwasser aus den Wiesen südlich des Kanals zur Verfügung. Der Fluß wurde zum Bach. Viel früher als die Havel wurde die Muhre über weite Strecken begradigt, diente der Entwässerung des Leegebruchs und der Wiesen bei Velten und Bötzow. Unterhalb von Leegebruch nannte man sie schließlich Muhrgraben oder auch Moorgraben. Zwischen Niederneuendorf und Schönwalde machte die Muhre einen Knick nach Westen und nahm ihren Weg an Alt-Brieselang vorbei ins Havelländische Luch. Dieser Ost-West-Verlauf wurde später zum Niederneuendorfer Kanal und zum Großen Havelländischen Hauptkanal ausgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts (1910/11) wurde der Lauf der Muhre noch einmal durch den Bau des Veltener Stichkanals unterbrochen.

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Quelle: Schlimpert, Gerhard; Fischer, Reinhard E.; Foster, Elżbieta; Müller, Klaus; Wauer, Sophie; Willich, Cornelia: Brandenburgisches Namenbuch; Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996. S. 188f.
"MUDER 1. Muhre, Muhrgraben Bach r -> Niederneuendorfer Kanal sö Schönwalde/OH Mbl. 3343 (Zum genauen Verlauf s. Rehberg 1928, 85ff.): Zu 1298 syluam siue lacum qui vocatur Moder Krabbo 1697 Fälschung 16. Jh.; 1595 Die Dosse Krum vnd rechtt biß in die Moder, ein flies alß genandt, Das flies Krum vndt rechtt entlangk... vorlang der Kotzebandschenn feldtmarck ER Or. I 32 (In BNB 5,340 irrtümlich im Barnim lokalisiert.); 1709 Muhr K A 1047; 1713 an der Muhre K C 538; 1725 an der Muhr Ms. bor. 1010; 1745 Dosse od. Muhre Gen.-Design. 221; 1772 Muhre Schirm. 128. ...
[] Gf. aplb. *Modr- zu *modr- 'blau'. Vgl. GN p. Modra (HW 243). ...
Zu 1: Der Name ist ein Beispiel dafür, daß fehlende alte Belege zu falschen Erklärungen führen können. Fischer 1971,683 hatte ohne Kenntnis der Belege vor 1772 den Namen als möglicherweise vorslawisch bezeichnet und ihn mit Flußnamen zweifelsfrei hohen Alters wie Muhr -> Drau verglichen. Diese Erklärung wurde von Schlimpert 1984,330f. und in anderen Aufsätzen übernommen. Die heutige Namensform ist durch Ausfall des d in der Mundart zu erklären. ..."